Berufsständische Versorgungswerke am Pranger – zu Recht?

Key Takeaways
- Die Abschreibungen bei VZB, ZÄKSH, AVSH und BVK haben die berufsständischen Versorgungswerke in die mediale Kritik gebracht – ins Verhältnis gesetzt bleiben die Verluste jedoch fast überall im Promillebereich des Anlagevermögens, ohne Auswirkungen auf die Pensionsverpflichtungen; Berlin ist der Sonderfall, nicht der Regelfall.
- Die föderale Aufsicht setzt über Anlageverordnung und Kapitalanlagerundschreiben Leitplanken, ist aber bewusst nicht Teil des Risikomanagements – die Verantwortung für die Kapitalanlage liegt im Rahmen der Selbstverwaltung bei den Werken selbst.
- ABV-Leitfaden und Prädikat schaffen Mindeststandards und Marktorientierung, hätten die festgestellten Fehlentwicklungen aber nicht verhindert – formale Testate ersetzen keine eigenständige, miteinander verzahnte Prüfung der zugrunde liegenden Daten.
- Die Professionen Aktuar und Wirtschaftsprüfer sind nicht darauf ausgelegt, ein einzelnes Immobilieninvestment im Detail zu durchdringen: Zwischen aktuarieller Gesamtschau und bilanzieller Testierung fällt die einzelne illiquide Anlage durch – diese Lücke schließt eine investorenseitige, von KVG und Asset Managern unabhängige Risikodiagnostik.
Vom Einzelfall zur Systemfrage - die Lücke im Kontollsystem
Berufsständische Versorgungswerke standen in den vergangenen Monaten so stark in der Öffentlichkeit wie nie zuvor: Abschreibungen in Berlin, Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen warfen die Frage auf, ob das System aus Selbstverwaltung, föderaler Aufsicht und externen Prüfinstanzen noch trägt. Die Titelgeschichte der dpn ordnet ein – mit Dr. Ulf Steenken, Leiter der Versicherungsaufsicht des Landes NRW, und Alexander Remy, Gründer der QORE Solutions GmbH. Der Befund: Die Aufsicht setzt Leitplanken, ist aber ausdrücklich nicht Teil des Risikomanagements, und auch ein Prädikat bestätigt Mindeststandards, verhindert jedoch keine Fehlentwicklung im einzelnen Investment. Die meisten Abschreibungen sind zudem Folge der Zinswende, nicht krimineller Machenschaften – gemessen am Kapitalanlagevolumen bleiben sie verschwindend gering.
Der eigentliche Hebel liegt daher im Kontrollsystem selbst. Aktuar und Wirtschaftsprüfer erfüllen ihre Aufgaben korrekt – doch keine der beiden Professionen ist darauf ausgelegt, ein einzelnes Immobilieninvestment im Detail zu durchdringen: die Tragfähigkeit einer Anschlussfinanzierung, die Belastbarkeit der Cashflows oder die Plausibilität eines gutachterlichen Wertes gegenüber dem Markt. Genau diese Lücke adressiert die von QORE Solutions entwickelte investorenseitige Risikodiagnostik: eine laufende, datenbasierte Untersuchung jeder Fondsanlage bis auf die einzelne Objektebene – Mieterträge, Finanzierung, Markt und Standort, Objektqualität sowie Management –, verdichtet zu einem nachvollziehbaren Risikourteil. Das Ergebnis ist ein regelmäßig kalibriertes Frühwarn- und Chancensystem für das Portfolio, neutral und frei gegenüber KVGen und Asset Managern.
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